…es ist nur eine Frage der Zeit.
Meine letzte “Beziehung” überdauerte sagenhafte 1.000 Tage. Eigentlich eine Meisterleistung, wenn man bedenkt, dass ich anfänglich nicht mal glaubte, dass nach einem spontanen Mini-Date irgendwann vielleicht noch ein zweites Date folgen könnte.
Das männliche Exemplar, welches ich zum damaligen Zeitpunkt auftrieb, zeichnete sich nicht gerade durch seine Optik aus. Auch hatte dieses “Kampfobjekt” keine anderen Qualitäten, die mich normalerweise aus meinem “Dornröschenschlaf” (Single-Dasein) hätten erwecken können/sollen. Dennoch, ich gab ihm eine Chance. Warum auch immer?!
Gestern war Valentinstag. Ich gestehe, ich habe an ihn gedacht. Ich würde lügen, würde ich behaupten, dass ich mir nicht gewünscht hätte, dass er sich meldet. Mein kleines kaputtes Herz hätte allerdings keinen weiteren Tiefschlag (und zu mehr scheint er nicht talentiert) vertragen können. Somit war es ganz gut, dass ich weder Email, noch SMS, noch MMS oder gar vielleicht einen Anruf erhielt.
Dafür allerdings erhielt ich aber reichlich Nachrichten in WhatsApp. Ich gestehe anfänglich hasste ich die kleine Applikation. Auch wenn ich schon Jahre über ein internetfähiges Handy verfüge, ich besaß bis vor Kurzem keine Internetflat und folglich nutzte ich auch nichts, was eine Verbindung zum Internet von meinem Handy aus hätte erfordert. Heute weiß ich, dass mir einiges auf diese Weise entgangen ist… zum Beispiel: Komfort der neuen Technik!
Jedenfalls WhatsApp erwachte u.a. durch einen alten Bekannten in den vergangenen Tagen zu völlig neuem Leben. Den Bekannten kannte ich aus unserer Schulzeit. Wir waren nicht in die gleiche Klasse gegangen oder so. Aber wir hatten die gleiche Schule besucht, einige gemeinsame Freunde gehabt… Der Kontakt war nie sonderlich eng. Wir wußten voneinander wie der andere hieß und wo der andere her kommt.
Klar, WhatsApp nutzte ich seit der Installation eigentlich täglich. Klickerten doch auch ein paar gute Freunde bereits mal mehr und mal weniger über WhatsApp Nachrichten mit ihren News, ihren Gedanken …oder sandten einfach mal ein Foto zwischendurch… eben jene Freunde, die mir auch geraten hatten (oder, wohl eher, extrem beharrlich in den Ohren gelegen hatten!!!) diese Applikation zu installieren.
Der alte Schulfreund und ich mussten während des Austausches von Nachrichten innerhalb der letzten paar Tage feststellen, dass wir eigentlich ziemlich viel gemeinsam haben. Eigentlich mehr, als er bis heute Abend 17.00 Uhr wissen konnte. Ich gestehe, ich genoss die ungezwungene Konversation!
Wir haben beide sowohl im privaten als auch im beruflichen Bereich einiges erleben dürfen in den vergangenen Jahren. Jedenfalls steht fest: Die Lage, in der wir uns befinden (jeder für sich natürlich) ist so, wie sie jetzt ist, nicht wirklich das, was man auf Dauer erhalten kann oder gar will. Man schwimmt sozusagen mit dem Strom und hoffte auf bessere Zeiten! Ich hatte unwissentlich einen Seelenverwandten gefunden…
Halte mich jetzt ruhig für bescheuert, lieber Leser. Die Person, die die Nachrichten in WhatsApp schickte, die habe ich mindestens 10 Jahre nicht mehr bewusst getroffen. Klar, man war sich aufgrund des Wohnortes (der nahe beieinander liegt) immer mal wieder unbewusst über den Weg gerannt, …hatte sich gedankenverloren gegrüßt und jetzt das… Der Kontakt war über Facebook so intensiviert worden. Social Networking ist also doch nicht nur schlecht! Wir sind dort befreundet und waren es vor meinem Wechsel zu Facebook auch schon bei MeinVZ gewesen. Ich kann nicht mal mehr sagen, wer damals wen zu seiner Freundesliste hatte hinzugefügt. Oder warum wir uns überhaupt hatten angefreundet…
Mit anderen Worten: Erst war es nur ein Klick auf “gefällt mir” und dann irgendwann folgte ein scheinbar achtlos dahingeschriebener Kommentar auf meiner Pinnwand, …dann ein liebgemeinter Kommentar auf seiner Pinnwand… hierauf jeweils eine Antwort. Und irgendwie packte mich dann die Übermut. Als er auf einen meiner “Chronikeinträge” (tolles Wort – danke Facebook für die “Chronik!) etwas kommentierte, antwortete ich keck, dass er willkommen sei mich zu besuchen auf ein Stück Kuchen. Und so kam es, dass wir plötzlich Handynummern austauschten und uns verabredeten. Eigentlich etwas sehr Triviales, wenn man bedenkt, dass wir knapp 10 (Auto-)Minuten voneinander entfernt wohnen. Man könnte sagen, was so “unauffällig” begonnen hatte, gipfelte am Wochenende darin, dass wir flirteten – sehr offensiv sogar! Und während wir Nachricht über Nachricht miteinander austauschten, bauten wir eine Nähe auf, wie zwei Menschen, die sich schon ewig kennen…
Tja, manchmal geht das Leben seltsame Wege!
Kurzum: Es tat einfach mal gut, morgens aufzuwachen und Nachrichten von einem lieben Menschen zu lesen… abends ins Bett zu gehen und jemandem eine “Gute Nacht” zu wünschen. Es tat gut über den Tag zu sprechen… Natürlich oberflächlich, denn mehr ist nicht drin, wenn die Person, mit der dieser Austausch stattfindet, jemand ist, den man schon gut 10 Jahre nicht mehr wirklich gesehen hat. Weißt Du, lieber Leser, es tat einfach sooo gut zu vergessen, was eigentlich aktuell “Stand der Dinge” ist und einfach mal eine Spur weit “Normalität” zu genießen. Normalität im Sinne von “Hey, hier ist wer, den interessiert, was Du da treibst…” oder “Hey, hier ist jemand, für den bist Du nicht nur irgendwer!“.
So etwas, also das, was mir die letzten Tage das Leben versüßt hatte, ist für Dich, lieber Leser, sicherlich nichts Besonderes, oder? Nein, das ist es eigentlich auch nicht! Dennoch, ich hatte bisher nicht viel Glück (oder auch Geschick) mir so ein Stück “Normalität” in mein Leben zu holen und auf Dauer zu erhalten. Wenn Du jetzt sagst, lieber Leser, dass das irgendwie ein Armutszeugnis ist, dann sage ich Dir ganz nüchtern und frei heraus: Recht hast Du!
Naja, jedenfalls ich wäre nicht “eisohr”, hätte ich das nicht vermasselt. Ich rede von meinem Stückchen “Normalität” oder aber auch die Chance auf ein vielleicht wunderschönes Date mit einem gut aussehenden jungen Mann. Warum ich es vermasselt habe, wirst Du jetzt fragen, lieber Leser und die Frage ist durchaus berechtigt! Die Antwort ist wirklich ganz banal: Ich kann das nicht! Ich kann nicht einen wichtigen Fakt verschweigen bzw. einen Menschen, den ich mag, bewusst anlügen. Ich kann einfach nicht etwas so Wichtiges (wie mein kleines Geheimnis) unter den Tisch fallen lassen und darauf hoffen, dass wenn ich nur die Augen (vor der Realität fest genug) verschließe, jemand anderes auch nicht sehen wird, was ich nicht sehen will.
Mit anderen Worten: Das “eisohr” tat, was es am besten kann. Ich fasste mir ein Herz und formulierte zwei lustige Sätze. Ich setzte einen zwinkernden Smiley dahinter und hockte, den Tränen nahe, zusammengesunken vor meiner Badewanne auf dem kleinen weißen Läufer und wünschte mir, dass zum einen die Dinge anders wären, als sie leider sind und zum anderen ich ein bißchen mehr so wäre, wie es zum Beispiel mein letztes männliches Kampfobjekt gewesen ist: gewissenlos, rücksichtslos und vor allem egoistisch. Aber so bin ich halt nun mal nicht und möchte ich auch nie werden!
Die Reaktion auf mein kleines Geständnis erfolgte schneller als erwartet und war positiver als erhofft. Ich hatte damit gerechnet, dass ich jetzt “Schweigen” ernten würde. Dennoch… das Ergebnis ist, wie es hatte ausfallen müssen:
Heute Abend wurde ich vertröstet. Das eigentliche Date, welches seit knapp einer Woche abgesprochen war, fiel kurzerhand aus. Eine Ausrede war schnell gefunden und ich wusste warum (eben wegen meines Geständnisses) und hakte folglich auch nicht weiter nach (aus Angst vor einem wirklichen Korb). Um vorzubeugen, dass ich nach einem weiteren Date fragen könnte (schlaues Kerlchen, muss ich sagen), wurde gleich aufgezählt, was am morgigen Donnerstag, am darauf folgenden Freitag und natürlich vor allem am Wochenende alles anliegen würde. Ich erhielt also – ungefragt – eine detaillierte Übersicht warum das Date, welches ja nun leider heute ausfallen müsste, auch u.a. in den kommenden 5 Tagen nicht stattfinden könnte. Ich war den Tränen nahe… Warum muss die Wahrheit immer so gruselige Konsequenzen haben?
Jetzt, einige Stunden später… ein paar lapidare Nachrichten in WhatsApp später… ich fühle gut mit dem, was ich getan habe. Es war richtig! Ich habe die richtige Entscheidung getroffen! Klar, ich bin traurig. Traurig, weil das Stückchen Normalität mir nur kurzfristig gegönnt gewesen ist. Aber hey, man baut keine Schlösser auf Treibsand! Noch trauriger, dass aus dem Stückchen nicht vielleicht noch ein paar mehr Stückchen – ein größeres Stückchen – hatten werden können. Aber so ist das Leben eben! Wir sind hier nicht bei “Wünsch Dir was”, sondern bei “So ist es!”
…aber zurück zum Eigentlichen: Ich fühle mich gut. Sagte ich bereits! Warum? Ich fühle mich gut, weil ich mit dem kleinen Geständnis in der Textnachricht bei WhatsApp mir einen großen Stein von der Seele getippt hatte. Ich kann gleich ins Bett gehen, den Tag ad acta legen und ich brauche mir nicht mehr vorm Einschlafen die grauen Zellen zermartern, wie ich im Fall der Fälle hätte reagieren und dieses Geständnis gut verpacken können…
Manche nennen so ein Verhalten “mutig”. Ich nenne so ein Verhalten “dumm”. Aber, weißt Du was, lieber Leser? Ich bin lieber dumm, als ein A… Ich halte weiter an an meinem bisherigen Lebensmantra fest: Ich versuche andere Leute stets so zu behandeln, wie ich selbst behandelt werden möchte.
