Familienleben – das ist etwas, für das man definitiv geschaffen sein muss. Ich habe gerade heute wieder feststellen dürfen, dass ich es einfach bin. Ich bin definitiv kein Familienmensch! Vielleicht komme ich aber auch nur zu diesem Schluss, weil ich tagein und -aus von meiner Familie umgeben bin.
Die “Schrecklich nette Familie”, die wir alle aus dem Fernsehen kennen, die ist gar nichts gegen meine Sippe. So manches gemeinsame Essen, bzw. der Dialog der nebenher stattfindet, hätte sicherlich guten Plott für das “Ohnsorg Theater” liefern können.
Gerade heute wieder hätte man nicht nur Plott für eine Vorführung gewinnen können, sondern über den Tag verteilt, theoretisch so viel Plott geliefert bekommen, dass man das Bühnenprogramm für das nächste halbe Jahr damit hätte befüllen können.
Die Episode “Die Dreckwäsche anderer Leute” vollzog sich etappenweise über den ganzen Tag und ist derart in meinen Gedanken haften geblieben, dass ich beschlossen habe, als ich vorhin in der Badewanne darüber nachdachte, was ich Dir, lieber Leser, heute schreiben könnte, einfach davon zu berichten.
Vorspann
Als wir (meine Eltern und ich) beschlossen gemeinsam in dieses Zweifamilienhaus umzusiedeln, dachte ich (naiv und gerade mal wieder finanziell etwas aufgeschmissen), dass das ein wahrlicher Glückfall sei, der sich dort für mich ereignete. Ich bewohnte fortan das obere Stockwerk. Meine Eltern bewohnten fortan das untere Stockwerk.
Da ein Drei-Mann-Haushalt nichts sonderlich Spektakuläres ist und auch schon früher im gemeinsamen Bungalow (welches wir vorher gemeinsam bewohnt hatten) funktioniert hatte, entschied man, dass gewisse Dinge vereinfacht werden. Eine Eigenschaft, die ich meiner Familie zuschreiben würde ist: Pragmatismus.
Folglich teilten wir uns die sogenannte “Waschküche”. (…um langsam auf den Kernpunkt der Geschichte überzuleiten)
Hauptteil
Seit vielen Jahren also läuft es so, dass ich meine Dreckwäsche im Obergeschoss sammle, in einer Wäschewanne die Treppe heruntertrage und dann in die dort vorhandene Waschmaschine bzw. Wäschetrockner räume. Normalerweise greife ich dann die fertige Wäsche, stopfe sie in eben jene Wäschewanne und trage sie wieder ins obere Stockwerk hinauf. Doch… manchmal kommt etwas dazwischen!
An solchen Tagen (oder in solchen Momenten) kann es passieren, dass meine Mutter die fertige Wäsche im unteren Stockwerk nicht nur aus dem Trockner abgreift, sondern sogar die Bügelarbeit und das Zusammenlegen übernimmt. Ich bin ihr für diese Art “Dienstleistung” extrem dankbar! Lange Rede, kurzer Sinn…
Meine Mutter ist a) farbenblind und b) nicht sonderlich detailverliebt. Lasst uns, lieber Leser, diese beiden Punkte einfach mal so im Raum stehen lassen. Wer jetzt denkt, dass das im Bezug auf frischgewaschene Wäsche nicht zu suchen hat, der irrt gewaltig. Denn… das ist der Grund, der fast 60% unserer häuslichen Streitereien auslöst.
Die Rede ist von falsch zusammengelegten Sockenpaaren. Pastelltöne, besonders in grünlich und bläulich… meine Mutter erkennt die Farben nicht! So kommt es u.a. dass ich beim letzten Zahnarzttermin mich arg schämen musste. Hatte ich doch morgens im Halbschlaf nach einem Knäuel Socken aus dem Schrank gegriffen und gar nicht bemerkt, dass den rechten Fuss eine lindgrüne Socke und den linken Fuss eine hellblaue Socke zierte. Gerade gestern erwischte ich ein paar weiße Socken, auf deren Ferse Wochentagsnamen zu lesen waren. Während ich mich so auf der Couch aalte beim abendlichen TV-Programm, bemerkte ich, dass auf der einen Socke “Friday” und auf der anderen Socke “Sunday” stand…
Heute früh stellte ich also meine Mutter zur Rede. Sie sprach von kleinen Versehen und redete sich damit heraus, dass ich ja auch immer sehr viel Wäsche hätte und wenn mir ihre Arbeit nicht gefallen, die sie da so bereitwillig für mich leiste, dann könnte ich ihr das natürlich sagen, dann würde sie zukünftig die Finger von der Wäsche lassen… blablabla… auch diese Diskussion führten wir bereits zu Hauf! Das Ergebnis sollte jedem, der das hier liest, sofort klar sein! Versprechen kann man viel, aber Versprechen zu halten scheint die Kunst daran zu sein!
Kurzum: Ich griff mir ihre Sockenschublade und mir entfuhr ein “Guckimalda!” oder so ähnlich. Ich hätte ausrasten können! Während im oberen Stockwerk die Anzahl an Sockenpaaren latent abnimmt, steigt sie im unteren Stockwerk dazu proportional passend! Rund 1/3 meiner Socken wird aktuell in der Nachttischkonsole meiner Mutter aufbewahrt. Und ich? Ich wundere mich, warum ich immer weniger Socken zur Verfügung habe…
Ende
Ich denke es wird Zeit die “Dreckwäsche” zukünftig (Pragmatismus hin oder her) im oberen Stockwerk komplett zu bearbeiten, d.h. nicht nur zu bügeln und zusammenzufalten, sondern zukünftig diese hier auch zu waschen und zu trocknen.
Kalkuliert man u.a. am banalen Beispiel von Socken die Kosten, die durch eventuelle Nachbeschaffung (obwohl die ja gar nicht das Haus verlassen haben!) entstehen, wird man feststellen, dass jede Ratenfinanzierung für Waschmaschine und Wäschetrockner günstiger wird. Wir wollen an dieser Stelle gar nicht näher darauf eingehen, wie teuer es würde, würde man den Stundenlohn aufrechnen (z.B. sagen wir mit lumpigen 10 E/Std.), den man für die Zeit, die man mit den ganzen Streitereien verbracht hat, theoretisch entlohnt.
Fazit für meinen heutigen Tag ist also: Ich möchte wirklich gern ein gutes Verhältnis zum unteren Stockwerk aufrechthalten. Manchmal ist das echt schwierig, aber es ist nicht unmöglich! In einem Familienverbund können schon Banalitäten wie vertauschte Sockenpaare, Besitzerwechsel bei Socken etc. zu einem echten Drama ausarten.
Wie heißt es doch so schön? “Lieber ein Schrecken mit Ende, als ein Schrecken ohne Ende!” Außerdem… die Investition für Waschmaschine und Wäschetrockner wird sich spätestens Ende des Jahres rentiert haben:
Mein Rücken wird es mir danken – keine schweren vollen Wäschewannen mehr, die treppauf und -ab geschleppt werden müssen.
Keine Streitereien mehr wegen Muttis Farbenblindheit bzw. dem mangelnden Gespür für Details – sicher werden wir andere Themen finden um uns auch zukünftig “die Köpfe einzuschlagen”
Und irgendein Versandhandel wird einen tollen Deal über eine Waschmaschine, einen Wäschetrockner und diverse paar neue Socken mit mir schließen dürfen – endlich kann ich mir Socken aussuchen, auf die ich Bock habe! (Lach nicht, lieber Leser… da dieses “Sockenproblem” nicht erst seit gestern existiert, war ich schon in den vergangenen Monaten bemüht immer Socken mit Wiedererkennungswert für mich zu beschaffen. Schließlich dachte ich schon, dass unsere Waschmaschine “Else” oder der Wäschetrockner “Kurt” heimlich Socken frisst… )
